Wir unterstützen soziales Engagement

weltweit und von Herzen gerne

Hilfsbereitschaft - Eine Frage der Ehre

Es ist noch gar nicht so lange her, da saß ein junger Kerl im Büro unseres Geschäftsführers Michael Deiß und warb um die Unterstützung seines Projektes.

 

Initiiert durch die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners möchte er ein Auslandsjahr in Sao Paulo verbringen, um dort mit anderen Jugendlichen aus aller Welt die Eigeninitiative der Favela-Bewohner*innen zu fördern und ihnen zu helfen, die eigenen Potenziale zu entfalten. Für die Umsetzung dieses Vorhabens braucht er ein nicht unerhebliches Budget. Also heißt es Klinkenputzen und Überzeugungsarbeit leisten.

 

Da Michael Deiß sowohl das Projekt als auch Nick Queener kennt und schätzt, stand schnell fest, dass eggs unimedia dieses soziale Engagement sehr gerne unterstützen möchte.

Warum? Weil Hilfsbereitschaft der Unternehmenswert ist, der bei den Kolleg*innen von eggs unimedia im Vordergrund steht.  Auch im Arbeitsalltag greift man sich unter die Arme, findet gemeinsam Lösungen, unterstützt einander. Grund genug, Nick zu signalisieren, dass er mit seinem Vorhaben und Engagement genau auf dem richtigen Weg ist. 

 

Am 24. August startete sein Flieger – Ein großer Augenblick. Was wird er am Ende von diesem Einsatz in Südamerika mitnehmen? Wem wird er helfen und wo liegen die Herausforderungen? Er wird uns immer mal wieder einen kleinen Bericht von seiner Arbeit in den Favelas Südamerikas schicken und wir begleiten seinen Einsatz nicht nur monetär, sondern auch mit einer ordentlichen Portion Respekt.

 

Abflug August 2022
Brasilien

Über Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners


Gegründet 1971, verfolgt die Einrichtung ihr Ziele, Waldorfpädagogik auch in Ländern zu unterstützen, in denen es keine staatliche Finanzierung für Waldorfschulen gibt. Erziehung und Unterricht sollen so ohne staatliche Eingriffe zu gestaltet und Familien ohne finanzielle Mittel unterstützt werden.

 

Weltweit werden über 600 Institutionen unterstützt, darunter Schulen und Kindergärten, heilpädagogische Institute, Initiativen der Sozialarbeit und Ausbildungseinrichtungen.

Seit 2006 sind die Freunde der Erziehungskunst im Bereich der Notfallpädagogik aktiv, die sich der psychosozialen Stabilisierung von Kindern und Jugendlichen in Kriegs- und Katastrophengebieten widmet, bisher fanden über 25 Einsätze in neun Ländern statt.

 

 

 

Über das Projekt der Associacao Communitária Monte Azul in Sao Paulo/Brasilien

 

Seit 1979 arbeitet die Associacao Communitária Monte Azul in Sao Paulo, um mit den Menschen aus verschiedenen Favelas einen Weg aus dem Teufelskreis der Arbeitslosigkeit, der geringen Ausbildungsmöglichkeiten sowie Drogen und Gewalt zu finden.

 

Mehrere tausend Menschen finden hier vielfältige Angebote, die von ca. 300 Mitarbeiter*innen, 70 brasilianischen Freiwilligen und ca. 18 internationalen Freiwilligen im Jahr betreut werden.

 

Im Fokus stehen Favelas wie Monte Azul, Peinha, Horizonte Azul, wo Nick wohnen und arbeiten wird.

Schulhaus in Sao Paulo
Klassenzimmer Sao Paulo

In den letzten Jahren wurde schon viel erreicht. Zum Beispiel wurde eine Krankenstation und ein Geburtshaus gebaut, viele Kindergärten und Krabbelgruppen, Jugendbetreuung, eine Waldorfschule, eine Musikschule, Angebote für Menschen mit Behinderung und ein Kulturzentrum entstanden. Zudem gibt es Initiativen zu sozialer Entwicklung, Umwelt, Kultur, Slum-Sanierung, Bildungsarbeit und vieles mehr.

Nachricht von Nick: Die ersten drei Monate

12/2022: Mittlerweile bin ich seit fast drei Monaten hier in São Paulo und es ist sehr viel passiert. Besonders die ersten Wochen waren sehr aufregend und jeder Tag war aufregend. Ich war beeindruckt, wie herzlich ich von jedem hier begrüßt und aufgenommen wurde. Insbesondere an die Reaktion der Kinder kann ich mich sehr gut erinnern, da sie sich direkt auf mich geschmissen haben und mir gleich die ganze Einrichtung zeigen wollten. Generell drehte sich auch meine erste Woche darum erstmal die Einrichtung kennenzulernen.

Zu Monte Azul gehören insgesamt 3 Einrichtungen: die Haupteinrichtung Monte Azul, Peinha und meine Einsatzstelle Horizonte Azul. Während die anderen beiden Stellen zentraler in São Paulo liegen und zum Teil direkt in die, den gleichen Namen tragenden Favelas integriert sind, ist die Umgebung rund um Horizonte Azul eher ländlich im Vergleich. Mehr Natur und bessere Luft sind definitiv vorteilhaft an meiner Einsatzstelle, als Nachteil kann man jedoch die große Entfernung zu der Haupteinrichtung und dem Zentrum nennen, da bis zu südlichsten Metro Station mindestens eine Stunde Busfahrt benötigt wird, je nach Verkehr auch mal 1,5 Stunden. Jedoch gewöhnt man sich schnell an die großen Distanzen innerhalb der Stadt und durch die unbekannte Umgebung und verrückt fahrenden Busfahrer sind die Fahrten auch immer erlebnisreich. Trotzdem nutzen wir sehr oft die preisgünstige Variante Uber da die Busse sehr voll sind, da die meisten Menschen aus der Peripherie in die Stadt pendeln. Kürzere Fahrten gibt es schon ab umgerechnet 1,20€ und sind damit oftmals günstiger als der Bus. 

Besonders zu Beginn meiner Dienstzeit zeichnete sich aber ein wesentlichees Problem im Alltag ab: fehlende Portugiesischkenntnisse. Jede Person, die man traf – egal wo – war sehr interessiert daran, sich mit einem zu unterhalten. Darüber, wer man ist, was man macht und wo man herkommt. Diese Fragen hört man sehr oft, da europäisch aussehende Menschen kaum in der Peripherie zu sehen sind. Leider konnte ich aber in den ersten 6 Wochen beinahe nichts verstehen und auch kaum die Fragen beantworten. Mit zunehmender Zeit und viel Üben zuhause, begann ich,  immer besser zu werden. Nach ca. 2 Monaten konnte ich schon kleinere Gespräche über simplere Dinge führen und mittlerweile verstehe ich schon größtenteils meine Gesprächspartner und kann mich über komplexere Themen wie Politik und Kultur unterhalten. Trotzdem würde ich jedem empfehlen, sich auch sprachlich besser auf ein Freiwilliges Soziales Jahr vorzubereiten, da man sich viel Zeit und Frustration spart. Bis zum wirklich fließenden Sprechen fehlt nämlich noch ein Stückchen und ich bin gespannt was ich nach weiteren 3 Monaten über meine Sprachkenntnisse sagen kann.

Das eben Genannte war besonders in der Arbeit anfangs problematisch, da ich kaum Aufgaben übernehmen konnte und auch nur selten verstand, was die Kinder von mir wollten. Mein normaler Arbeitstag gestaltet sich so:
Um 6:30 Uhr morgens klingelt mein Wecker und ich stehe auf, dusche und frühstücke etwas. Um 7:20 Uhr muss ich das Haus verlassen und nach ca. 7 Minuten bin ich an meinem Arbeitsplatz. Um 7:30 Uhr sind die meisten Kinder auch schon da und es werden gemeinsam zum Start in den Tag Lieder gesungen und ein Gebet gesprochen. Danach gibt es Frühstück für die Kinder, meist simple Dinge wie Cracker mit einer Art Frischkäse und dazu Tee oder Kakao. Dann gibt es je nachdem eine gemeinsame Aktivität wir Malen oder Basteln oder die Kinder haben Freizeit und spielen auf dem Gelände. Es gibt 2 Fußballplätze, einen großen Spielplatz und Tischtennisplatten. Jedoch werden besonders die Fußballplätze benutzt, wo ich während der Spielzeit auf die Kinder aufpasse und oft auch selber ein bisschen mit ihnen kicke. 

Fußball spielen

Größtenteils ist dieser Teil des Tages sehr entspannt, manchmal kann es auch sehr stressig werden, wenn die Kinder sich untereinander streiten und auch prügeln. Das passiert aber nur selten und in der Regel kann ich kleinere Streits auch schnell wieder schlichten. Um 11:00 Uhr gibt es dann Mittagessen, an 4 von 5 Tagen Bohnen mit Reis und Salat und eine Beilage wie gekochte Eier oder Fleisch und einmal die Woche gibt es ein Gericht mit Nudeln. Danach werden die Kinder verabschiedet und gehen in die Schule. In Brasilien gibt es in den Schulen nicht genug Platz, dass alle Kinder gleichzeitig zur Schule gehen können, sondern sie wechseln sich ab. Eine Gruppe ist vormittags im Unterricht, die andere nachmittags. An einem Tag im Monat gibt es Kuchen für alle und es wird gesungen für die Kinder, die Geburtstag hatten seit dem letzten Mal. 

Mein Nachmittag gestaltet sich identisch nur eben mit einer anderen Klasse. Einen Tag in der Woche verbringe ich im Kindergarten mit 2- bis 4-Jährigen. Am Anfang fiel mir das etwas schwer, da Kleinkinder oft in die Hose machen und sich nicht selber die Nase putzen können aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und es macht auch dort viel Spaß, da die Kinder auch sehr putzig sind. 
Donnerstag Nachmittag ist das Highlight der Arbeitswoche, da ich dort gemeinsam mit dem anderen deutschen Freiwilligen in den Schulgarten gehe und wir auf dem riesigen Gelände gemeinsam Bananenbäume fällen oder Bambus verarbeiten. Besonders schön ist es, weil die Leute dort super nett sind und uns immer neue Pflanzen oder Tiere zeigen, die es in Deutschland nicht gibt. Insgesamt macht mir die Arbeit wirklich viel Spaß und ich geh jeden Tag sehr gerne hin.

Und es gibt ja auch so etwas wie Freizeit. São Paulo ist riesig und hat viel zu bieten. Auch das Nachtleben ist aufregend und ich hatte schon viele schöne Abende mit den anderen Freiwilligen und anderen Leuten von hier. Besonders gut geeignet zum Ausgehen sind die Viertel Pinheiros, Villa Madalena und alles rund um die Avenida Paulista, welche auch als das neue Zentrum bezeichnet wird. Anders als in der Peripherie können sich dort auch queere Menschen ganz offen ausleben und werden von allen akzeptiert, sogar mehr als man es aus Deutschland kennt. 

Als absoluten Höhepunkt würde ich aber bisher meinen Ausflug an den Strand „prainha branca“ bezeichnen, wo ich das Wochenende und die 2 Feiertage verbracht habe. Unser Hostel war in einer dschungelähnlichen Umgebung und nur 10 Minuten vom Strand entfernt, welcher aussah wie ein Postkartenmotiv. Mit 9 weiteren Personen konnte ich dort vier wunderschöne Tage mit super Wetter genießen. 

Meer
Strand

Eine weitere Aktivität, die mir sehr Spaß macht ist das Capoiera Training, zu dem ich 3mal die Woche gehe. Dort lerne ich zum einen den Kampfsport/ Tanz aber auch zu singen und die traditionellen Instrumente zu spielen wie den Berimbau. Gestern war in meiner Gruppe ein ganz besonderer Tag, weil die sogenannte Taufe stattfand. Hierbei bekommen neue Mitglieder die schon seit einer Weile dabei sind den grünen Gürtel. Sie müssen in die Roda (Kreis) der Capoiera eintreten und gegen die Meister antreten, die nicht zimperlich mit ihnen umgehen. Zudem bekommen andere Capoierista die nächst höheren Gürtel, wenn sie sich verbessert haben. Mein Ziel ist es den grünen Gürtel zu bekommen bevor ich zurück nach Deutschland fliege, diesen bekommt man zwar als erstes aber durchaus nicht einfach geschenkt. Man muss in den Bereichen Kampfsport, Singen und auch in Instrumente spielen gewisse Fähigkeiten aufweisen.


Soweit mein erster Bericht. In drei Monaten melde ich mich wieder.